Inspiration: Unerwünscht

veröffentlicht von Ronny Lorenz 10. November 2011

Sich von anderen Fotografen und ihren Bildern inspirieren lassen ist ja eigentlich eine sehr häufig genutzte Methode, um sich für seine Arbeit Anregungen für eigene Bildideen zu holen. Ich denke die meisten unter euch schauen sich gern andere Werke an und nutzen diese dann als Quelle der Inspiration. Ob in Fotocommunitys, auf diversen Blogs, oder auch über Fanseiten bei Facebook, Möglichkeiten gibt es da ja mehr als genug. Und da das Foto sowieso nicht neu erfunden werden kann, es alles irgendwo/irgendwie sowieso schon gegeben hat, sollte es da auch keine Probleme geben, wenn man sich von Fotograf XY inspirieren lässt und das Foto dann vielleicht ein wenig ähnelt. Normalerweise gibt es da auch keine…

Wenn man selbst als Inspiration für andere dient, dann kann man sich sehr darüber freuen und stolz auf sich sein, denke ich. Die meisten tun das sicher auch, aus welchen Gründen auch immer, gibt es aber dennoch ein paar wenige, die bis heute noch der Meinung sind, wenn man sie als Inspirationsquelle nimmt, dass man nur versucht sie zu kopieren. Sie sind tatsächlich der Meinung, dass genau sie es sind, die das Foto ständig neu erfinden und alles was nach ihren Werken kommt, nur abgekupfert sei. Eine sehr gute Fotofreundin von mir musste dies leider letztens selbst miterleben und darum geht es heute in diesem Blogeintrag.

Es war glaube ich erst im letzten Jahr, da hat sie für sich die Fotografie entdeckt. Bei mir stand sie zunächst noch vor der Kamera, als sie merkte dass das selber knipsen auch sehr viel Spass machen kann. Und obwohl sie gerade erst angefangen hat, hat sie scheinbar ein ganz besonderes Gefühl dafür, ihre Fotos sind in meinen Augen große Klasse und sie hat eine unglaubliche Entwicklung in letzter Zeit gemacht und man kann ihr dazu nur gratulieren. Ich schaue mir ihre Bilder regelmässig an, umso erschrockener war ich, als ich letztens feststellen musste, dass ihre Fanseite auf Facebook nicht mehr existiert. Ich dachte zunächst, dass vielleicht ein Hacker ihre Seite gelöscht hat, aber nicht an das was wirklich passiert war.

Ich schrieb sie zunächst an, wollte wissen was los ist und warum ihre tollen Fotos nicht mehr zu sehen sind. Ihre Antwort daraufhin hat mich erschüttert und erschrocken zugleich. Sie schrieb mir, dass sich eine ihrer Inspirationsquellen von ihr total kopiert fühlen würde und sie doch gar keine eigenen Ideen habe. Da wurde eine regelrechte Hetzkampagne gestartet und es wurde sehr persönlich, zu persönlich.

Ein Telefonat war mir an dieser Stelle wichtig, ich rief sie daraufhin an, um mir die Einzelheiten für den Fall besser erklären zu lassen. Sie erzählte mir, dass selbst die abgebildete Person auf dem Foto bei Facebook bepöbelt wurde und man verlangte sogar tatsächlich von der Person auf dem Bild, ihr Foto zu löschen, da es einem ihrer Bilder doch stark ähneln würde. Pinnwandeinträge die schon unter die Gürtellinie gingen, lass man sowohl auf ihrer Seite, als auch auf der Seite des Models. Meine Fotofreundin, von Haus aus ein viel zu herzensguter Mensch, entschuldigte sich noch bei der Fotografin, entschuldigte sich dafür, dass sie sie als Inspirationsquelle sah. Doch für was sich entschuldigen?

Sie lies das Ganze so nah an sich ran, vollkommen aufgelöst sass sie daheim und es liefen die Tränen. Sie glaubte, dass sie was falsch gemacht hat und sie durch das einholen von Inspiration, etwas ganz böses getan hat. Sie stellte ihre Fanseite bei Facebook offline, in der Hoffnung damit ihre Ruhe vor der Person zu haben. Auch hier ein ganz falscher Schritt in meinen Augen, der mich sauer werden lies.

Ich sah mir nun mal die Bilder dieser Person an, die Person die sich allem Anschein nach so kopiert fühlte. Ich wollte wissen, ob es heute doch noch jemanden gibt, dessen Fotos die totale Neuerfindung sind. Ich stellte „erstaunlicherweise“ fest, dass man ihre Fotos doch schon irgendwo in ähnlicher Art und Weise gesehen hat. Und sie behauptete, dass sie diejenige ist, die kopiert wird?

Vielleicht liegt es daran, dass meine Fotofreundin noch am Anfang steht und sich für solche Menschen, auf die man immer wieder treffen wird, erst noch ein dickes Fell zulegen muss. Eventuell liegt es daran, dass sie dadurch in ihren Augen alles falsch gemacht haben muss und man sich lieber nicht durch andere inspirieren lassen sollte. FALSCH!

Ich sag es gern noch einmal: DAS FOTO WIRD NICHT NEU ERFUNDEN!

Wer sich von anderen nicht inspiriert, sondern nur kopiert fühlt, wer glaubt dass genau er es ist, der mit seinen Fotos die Fotografie ständig neu erfindet, hat in meinen Augen eine gewisse Realitätsfremde.

Ich möchte diesen Fall zum Schluss dazu nutzen, ein paar Tipps noch mit auf den Weg zu geben und vielleicht kann der eine oder andere dann in Zukunft besser auf solche Situationen reagieren. Holt euch natürlich weiterhin Inspiration über andere Bilder und lasst euch nicht davon beirren, dass es sich dann vielleicht ähnelt. Es gibt im Grunde genommen alles schon, das Wichtigste ist das ihr einfach Spass an dem habt was ihr tut. Ihr werdet sicherlich öfters auf Leute treffen, die sich geehrt fühlen wenn man sie als Quelle der Inspiration nutzt, die Wenigsten werden sich nachgemacht fühlen. Und wenn ihr mal auf solche Menschen trefft, lasst euch von eurem Tun nicht abhalten oder einschüchtern. Das wäre der größte Fehler den ihr machen könnt. Ignoriert diese Leute einfach, zu helfen ist denen eh nicht. Es gibt zum Glück viele andere die stolz darauf sind, wenn sie als Ideengeber gelten, die euch mit Rat und Tat zur Seite stehen wenn ihr mal Hilfe benötigt, und nicht versuchen euch persönlich anzugreifen.

Bewahrt euch weiterhin das Herz für euer geliebtes Hobby! Schaut meine Fotos an, alles schon mal dagewesen. Und?

Das könnte dich auch interessieren

error: Copyright © Ronny Lorenz Photography!